Die Konsumgüterinflation

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Technik

Wie stabil ist eine Welt die auf 1 und 0 aufbaut?

 

Um es vorneweg zu sagen: Diese Welt ist erstaunlich stabil. Doch holen wir etwas weiter aus.

Die gesamte digitale Welt basiert auf Programmen. Allem was in der digitalen Welt existent ist, liegt ein Programm zu Grunde. Jedem Bild, jeder Anweisung, jeder Berechnung liegt eine schriftlich formulierte basiert Anweisung, ein schriftlich formuliertes Skript zu Grunde. Programmier erschaffen diese Welten und die Ergebnisse sind dann Apps für unsere Handys, Computerspiele, Steuerungen für Autos und Geräte oder Buchhaltungs- und Datenbankprogramme.

Zwar werden diese Programme wiederum in verschiedensten Programmiersprachen geschrieben, doch die Basis ist immer die normale Schriftsprache. Zwar werden unzählige neue Begriffe, und neue Wörter mit spezifischen funktionellen Eigenschaften gebildet, doch wir verwenden zur Beschreibung unsere normalen Buchstaben, Zeichen und Sonderzeichen. Unser erweitertes Alphabet, das auch in der schriftlichen Kommunikation gebräuchlich ist.

DNA

Vergleichen wir nun einmal die natürliche und die digitale Welt. Auch die natürliche Welt basiert auf einem geschriebenen Code. Alles in der lebendigen natürlichen Welt ist beschreiben und und einem Code abgelegt. Dieser Code ist in der Desoxyribonukleinsäure (kurz DNS; englisch DNA) als Biomolekül abgelegt. Dieses Biomolekül ist bei allen Lebewesen der Träger der Erbinformation, also die materielle Basis der Gene.
Die Bausteine der DNA, praktisch die Buchstaben des Codes sind vier verschiedene Nukleotide. Wir bezeichnen diese als Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, oft abgekürzt mit A, T, G und C.

Im Gegensatz zu der Codierung der digitalen Welt verwendet die natürliche Welt nur vier Buchstaben in der Programmbeschreibung. Doch diese Buchstaben sind sehr resistente Nukleotide. Die Buchstaben der digitalen Welt hingegen sind keine Bausteine, diese Buchstaben werden aus elektrischen Impulsen gebildet.

Die Schriftzeichen werden zuerst mittels einer standardisierten Tabelle einem bestimmten hexadezimalen Wert zugeordnet (ASCII, American Standard Code for Information Interchange oder die erweiterte Form der Unicode, UTF-8). Dieser Hexadezimale Wert wird wiederum in einen binären Code umgesetzt. Dieser binäre Code wird meist als Folge von 1 und 0 dargestellt.

Binärcode

Aus diesem binären Code wird nun eine Folge von Stromimpulsen erzeugt. Anfänglich dienten digitale Codes zur Nachrichtenübermittlung. Der wohl bekannteste ist der Morsecode. Er wurde dann in den Fernschreibern von komplexeren 5-Bit oder dem 7-Bit-ASCII ersetzt.

Der grundlegende Durchbruch kam jedoch, als es möglich wurde diese Folge von Stromimpulsen zu speichern und operativ zu verknüpfen. Damit wurde es möglich komplexe Rechenmaschinen zu bauen und die Computerisierung nahm seinen Anfang.

Alles in der digitalen Welt beruht auf einem Code, der sich mittels Stromimpulsen definiert. Eine Folge von „Impuls“ und „kein Impuls = Nichts" formt die Buchstaben.
Üblicher Weise wird der binäre Code als eine Folge von 1 und 0 geschrieben. Doch das ist nicht korrekt. Die Stromimpulse sind keine Folgen von 1 und 0. Denn Null ist ein Wert und in der digitalen Welt gibt es nur Impuls oder nichts. Die Leerschritte werden durch einen Tackt angegeben. Wenn man dies schriftlich anzeigt ist die Null eine Leertaste.
Das A ist in der digitalen Welt: • •, das B ist: • • , das C ist: • ••, …

Bevor Computer miteinander kommunizieren können, muss sich Ihr Tackt synchronisieren. Bei jedem Computerprozessor gibt es die Angabe des Prozessortaktes in GHz. Damit wird angegeben, welcher Tackt der Prozessor hat und wie schnell der Computer Stromimpulse weiterleiten und verarbeiten kann.

Die gesamte digitale Welt besteht ausschließlich aus Stromimpulsen. Es gibt keine "begreifbaren" Grundbausteine. In der natürlichen Welt sind die Buchstaben als komplexe Eiweißbaustoffe vorhanden. Gänzlich anders in der digitalen Welt. Diese Buchstaben definieren sich aus einer Folge von von Stromimpuls und kein Stromimpuls, einer Folge von Eins und Nichts.

Kein digitales Gerät funktioniert ohne Strom. Doch nicht nur die Geräte sind ohne Strom funktionslos, auch die Software, sprich und alle gespeicherten Daten sind nichts als Stromimpulse. Ohne Strom ist diese Welt nicht vorhanden.

Die meisten Menschen sehen die digitale Welt als Erweiterung unserer natürlichen Welt. Man braucht nur einen entsprechenden technischen Adapter wie ein Computer oder ein Smartphone, das entsprechende Programm und dann hat man Zugang zu einer Welt in der man Dokumente, Bücher, Fotografien, Videos, …. ablegen kann.
Für uns ist es gleichwertig ob wir ein Dokument auf Papier ausdrucken und in einer Akte ablegen oder ob wir es nun elektronisch speichert wird und in einer Datei auf einer Festplatte ablegen. Digitale Daten ändern sich ja nicht und so lange man die entsprechende Festplatte hat, sind die Daten ja vorhanden. Sofern man die richtigen Zugangsdaten hat, kann man auf diese Daten immer wieder zugreifen.

Doch dem ist nicht so. Daten in unserer natürlichen Welt werden auf etwas „begreifbares“ geschrieben, Daten in der digitalen Welt sind nur Elektronen in einem anderen Erregungszustand. Daten in der digitalen Welt sind Stromimpulse, sie bestehen nicht aus Biomolekülen.

Die digitale Welt funktioniert vom Prinzip her wie ein Gehirn. Auch in einem Gehirn werden Myriaden von Informationen gespeichert. Wir speichern in unseren Gehirnen all unsere Erinnerungen, Bilder, Begebenheiten, Empfindungen, Gerüche, Emotionen, … . Doch die Informationen im Gehirn sind nur so lange existent, so lange Gehirnströme messbar sind.
An dem Zeitpunkt an dem kein Strom mehr im Gehirn messbar ist, ist das Individium tod. Nichts und niemand kann die Informationen die in einem Gehirn gespeichert sind nach dem Tod „Auslesen“. Die „Hardware“, das Gehirn, mag dann noch so differenziert untersucht werden und die strukturelle Beschaffenheit analysiert werden, doch die gespeicherten Informationen sind nach dem Tod nicht mehr existent. Das Leben und das Bewusstsein des Individuums endet mit dem Ende der Gehirnströme.

Das Gehirn besteht aus dynamischen, neuronalen Netzwerken dessen Datenspeicherung sehr viel komplexer ist als das statische beschreiben eines digitalen Datenspeichers. Doch vom Prinzip her funktioniert das Gehirn wie die digitale Datenspeicherung. Nur so lange elektrischer Strom vorhanden ist, kann auf Daten zugegriffen werden.

Grundlegend anders ist die Beschreibung der natürlichen Existenz. Hier ist der gesamte Bauplan des Individuums in jeder einzelnen Zelle gespeichert. Nicht als elektrischer oder biochemischer Zustand, sondern als „begreifbares“ Biomolekül mit einer eindeutig lesbaren Anweisung in Form der DNA. Auch nach dem Tot bleibt die Information zunächst einmal vollständig erhalten und kann bei entsprechender Konservierung auch noch nach vielen Jahren gelesen werden.

Die digitale Welt hingegen ist ohne elektrischen Strom nicht existent. Zwar werden die Daten „gespeichert“ also so auf Speicherbausteine geschrieben, dass diese auch nach abschalten des Stromes fixiert sind. Doch ohne elektrischen Strom, funktionierenden technischen Adapter und genaue Anweisung wie diese gespeicherten Stromimpulse zu lesen sind können diese Daten nicht in eine interpretierbare Information umgewandelt werden.

Braille Alphabet

Um es einmal bildlich darzustellen, kann man sich Buchstaben und Texte im Braille Alphabet, der Blindenschrift, vorstellen. Auch hier werden Buchstaben durch Punkte, meistens Prägungen, und Lücken dargestellt. Nicht als Zeichenkolonne, sondern jeweils zu Blöcken zusammen gefasst hat jeder Buchstabe eine definierte Anordnung von „Bits“.

Braille Schrift ist geprägt, also „begreifbar“. Die Informationen auf einer CD oder DVD sind ähnlich geprägt, auf einem Speicherchip oder einer Festplatte werden sie durch elektrischen Strom lesbar.

Bei der Braille Schrift fährt man mit dem Finger über die Prägungen und die Sensorik in den Fingerspitzen erkennt die Muster. Entsprechend fährt in einer Festplatte ein Lesekopf über die Daten und erkennt die Muster.

Bei der Braille Schrift interpretiert der Lesende die Buchstaben, indem er das erkannte Muster mit dem gelernten Alphabet vergleicht. In gleicher Weise vergleicht die Leseroutine die erkannten Muster mit einer Tabelle (ASCII-Code) und interpretiert die entsprechenden Buchstaben.

Die einzelnen Buchstaben ergeben auch nur dann einen Sinn, wenn der zusammen gefügte Text in einer Sprache geschrieben ist den man versteht. Bei der digitalen Speicherung von Daten gibt es über den Text hinaus ja fast unbegrenzte Dateiinformationen. Die geschriebenen Daten können Musik, Fotos, Filme, Grafiken, … sein und nur wer die entsprechenden Standard für die Interpretation der Daten kennt, ist in der Lage aus den digitalen „Prägungen“ entsprechende Informationen zu interpretieren.

 

Ein äußerst komplexer Prozess der, wie Anfangs schon gesagt, erstaunlich stabil ist und meist reibungslos funktioniert. Doch er hat auch Schwachstellen:


• Die digitalen Daten verändern sich zwar nicht, doch alle Daten werden organische Materialien geschrieben die sich mit der Zeit verändern. Daten in Festplatten sind in eine Schicht aus Eisenoxid geschrieben, Speicherchips sind aus Silicium, … . Selbst wenn sich die Daten nicht verändern, die Grundmaterialien verändern sich. Es ist so, als wenn ein einem Buch die Buchstaben erhalten bleiben, sich jedoch das Buch langsam auflöst. Weltweit wird daher nach Lösungen gesucht, die eine langfristige digitale Datenspeicherung ermöglichen.


• Wenn einzelne Bits verschwinden, ändern sich die Buchstaben. Vergleichbar bei der Braille Schrift: Wenn bei einer 6 eine Prägung verschwindet, wird daraus eine 2, eine 3 oder eine 9.
Diese Problem gibt es aber schon seit Anbeginn der digitalen Datenspeicherung, darum werden bei jeder Zeicheninformation noch zusätzliche Prüf- und Paritätsbits gesetzt. Dadurch ist es möglich Lesefehler bei einem oder zwei Bits automatisch zu korrigieren. Fehlerhafte Interpretationen die sich aus der Veränderung des Datenträgers oder bei der Datenübertragung ergeben können so praktisch ausgeschlossen werden.
Etwas anderes wäre es, wenn jemand in der Lage wäre die Bitfolge bewusst zu manipulieren. Wem dies gelänge, der wäre der Herrscher der Welt. Denn alles in unserer digitalen, technischen, finanziellen und gesellschaftlichen Welt beruht auf der Unveränderbarkeit von Zahlen.

• In der natürlichen Welt ist der gesamte Code in jeder einzelnen Zelle gespeichert. In einem technischen Gerät ist der Code nur einmal vorhanden und zudem aufgeteilt. Im Betriebssystem sind die Anweisungen zur grundlegenden Funktion des Gerätes und der Dateninterpretation geschrieben, jede Anwendung hat wieder ein eigenes Programm und die Datenkommunikation über Netzwerke wird eventuell von Programmen gesteuert die gar nicht auf dem Gerät installiert sind. Auf dieser sichtbaren Programmebene tummeln sich ja auch unzählige „Hacker" die Daten manipulieren. Es genügt die Änderung einer entsprechenden Codezeile im Betriebssystem um ein Gerät in seiner gesamten Funktion zu beeinträchtigen.


• Alles in der digitalen Welt basiert auf den gleichen Standards. Praktisch alle Computer basieren in der Interpretation der Buchstaben auf den ASCII-Code. Das ermöglicht es, dass ein weltweiter Datenaustausch stattfinden kann und das Internet entstehen konnte. Doch das Internet funktioniert wie ein weltumspannendes Gehirn. Das ermöglicht weltweiten Datenaustausch in Echtzeit, doch wen die grundlegenden Codes manipuliert werden, kann es auch in kürzester Zeit zu weltweiten Manipulationen auf verschiedensten Ebenen kommen.


• Das Internet hat sich ausschließlich in einer befriedeten Welt entwickelt. Dies wird nicht so bleiben. Weltweit wachsen die politischen Spannungen, beginnen die Verteilungskämpfe um Ressourcen, wird weiteres Wachstum durch Protektionismus gebremst.
Das was man besitzen möchte zerstört man nicht. Daher sind alle kriegerischen Auseinandersetzungen in Internet bislang nichts als Spiele. Da wird bestenfalls manipuliert, nichts zerstört. Doch in einem Krieg wird zerstört. Und in einer Welt die auf Eins und Nichts basiert müssen nur die Einsen verschwinden, dann bleibt Nichts übrig.

 

04.11.2018 René Schrei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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